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Extra-Info: Kleine Brennerkunde
3. Die Destillation
der Maische
Vor dem Abbrennen
der Maische muß die beabsichtigte Destillation mindestens fünf
Arbeitstage vorher per Formblatt beim zuständigen Hauptzollamt beantragt
werden. Hierbei muß auch Auskunft erteilt werden über die Art,
Menge und über den Standort der Maische und über die Zahl der
beabsichtigten Abtriebe. Ein solches Formblatt hält in aller Regel
jede Brennerei bereit, die Abtriebe sog. Stoffbesitzer, also privater "Kleinbrenner"
ohne Brennrecht, durchführt.
Natürlich ist
es für einen Stoffbesitzer das Höchste, wenn er selber seine
eigene Maische brennen kann und darf. Können insofern, weil es wirklich
eine hohe Kunst ist, einen guten Schnaps zu brennen; dürfen insofern,
als es der Brennereibesitzer natürlich gestatten muß. Ich selber
habe von dem Umstand profitiert, daß mein Brennereibesitzer zuwenig
Zeit hatte, auch für Stoffbesitzer zu brennen und von mir erwartet
hat, daß ich diese Kunst bei ihm lerne - was ich im übrigen
nicht bereut habe. Wie gesagt: es ist eine schöne Erfahrung, sein
"Lebenswasser" (So nämlich nennen es die Franzosen: eau-de-vie)
selbst herzustellen - ohne irgendwelche Zusätze, ohne Schwefel, mit
dem besten Obst, das man nur haben kann.
Aus Platzgründen
kann ich die hohe Kunst des Brennens hier nur andeuten. Zur theoretischen
Vertiefung verweise ich auf die beiden Buchtips,
zur praktischen Vertiefung schlage ich vor, mehreren Brennern mehrmals
"über die Schulter zu sehen" und sie Löcher in den Bauch zu fragen
über dies und jenes, was man zur Destillation wissen möchte.
Wie jede Kunst erfordert auch das Brennen das Sammeln von vielen Erfahrungen...
Zunächst stelle
ich kurz dar, wie die Alkoholgewinnung bei der Destillation eigentlich
funktioniert: Die Maische wird erhitzt, die sich dabei bildenden Alkoholdämpfe
steigen auf und werden über ein sog. Geistrohr durch einen Kühler
geleitet und durch Kondensation wiederverflüssigt: das Ergebnis ist
Alkohol unterschiedliche Güte, abhängig vom Verlauf der Destillation.
Eine moderne Brennerei
verfügt meist auch über Brenneinrichtungen, die auf dem neuesten
Stand der Technik sind. Dazu gehören:
-
ein doppelwandiger
Brennkessel aus Edelstahl und einer Brennblase
aus Kupfer, weil sich Kupfer günstiger auf die Schnapsqualität
auswirkt als Edelstahl (Der Brennkessel ruht in einem Wasserbad, das erhitzt
wird; die Maische wird also indirekt erhitzt und brennt so nicht an.)
-
ein Helm aus
Kupfer als oberer Abschluß des Kessels (Seine wichtigste Funktion
ist es, den Alkoholdampf zu sammeln und vor der Überleitung ins Geistrohr
und in den Kühler vorzukühlen.
-
eine Verstärkerkolonne
aus Kupfer oder Edelstahl auf dem Helm oder statt Helm (Seine Aufgabe
ist die Verstärkung des Alkoholdampfes vor der Überleitung ins
Geistrohr; durch eine solche Verstärkungseinrichtung ist die Herstellung
eines Destillats in nur einem Abtrieb möglich).
-
ein Geist- oder Steigrohr
möglichst aus Edelstahl, weil sich bei Kupfer im Rohr Grünspan
bildet (Das Geistrohr steigt zum Kühler hin an und sorgt zum einen
für eine weitere leichte Vorkühlung des Alkoholdampfes und zum
anderen für eine Abspaltung von Wasser und qualitätsmindernden
Fuselölen, die sich am Innenrohr niederschlagen und auf diese Weise
wieder in den Kessel zurückfließen.)
-
ein Kühler
möglichst aus Edelstahl, weil sich bei Kupfer im Rohr Grünspan
bildet (Im Kühler wird der schon vorgekühlt Alkoholdampf weiter
abgekühlt, so daß durch die völlige Kondensation der Dämpfe
das Destillat erzeugt wird. Die Kühlung muß sehr sorgfältig
kontrolliert werden, damit das Destillat kalt abläuft.) Es gibt übrigens
unterschiedliche Kühlertypen: Schlangen-, Röhren- und Tellerkühler.
-
eine Vorlage
aus Edelstahl, über die das Destillat in einen Edelstahleimer laufen
kann. Die Vorlage ist mit einer speziellen Vertiefung ausgestattet, in
die der Alkoholometer hineingestellt wird, mit dessen Hilfe man ständig
den Alkoholgehalt des Destillats überprüfen kann.
-
eine bequeme und gut
regulierbare Befeuerung , z. B. mit Öl oder Strom.
-
eine elektronische
Alkoholtrennung, die sowohl für Hand- als auch Automatikbetrieb
ausgelegt ist und welche die automatische Trennung von Vor- Mittel- und
Nachlauf ermöglicht.
Der Verlauf einer
Destillation im Überblick:
1. Die Befüllung
der Brennblase: In die Brennblase wird die vollständig vergorene
Maische eingefüllt. Die Einfüllmenge hängt vom Typ der Destillationseinrichtung
ab; in der Regel faßt eine Brennnblase ca. 125 l Maische. Ist die
Maische sehr zähflüssig, kann noch etwas Wasser zugegeben werden.
2. Die Erhitzung
der Maische: Die eingefüllte Maische wird nun je nach Befeuerungsart
erhitzt. Bei modernen Geräten erleichtern Thermostate die Temperatur-
und Drucküberwachung im Wasserbad.
3. Die Einstellung
der Verstärkerkolonne: Je nach der eingefüllten Maischeart
muß jetzt der Verstärker und der Kühlwasserzulauf eingestellt
werden. Über das Geistrohr gelangt der so verstärkte Alkoholdampf
in den Röhrenkühler, wo er auf ca. 10 bis 15 Grad Celsius heruntergekühlt
wird und über die Vorlage in einen bereitgestellten Edelstahleimer
abläuft.
4. Die Trennung
des Destillats: Das ablaufende Destillat besteht aus drei Fraktionen:
-
dem Vorlauf:
Er enthält besonders leichtflüchtige Stoffe wie Methylalkohol,
Aldehyd und Essigester, die sich durch einen unangenehmen Geruch und Geschmack
bemerkbar machen. Man muß jeden Abtrieb langsam anheizen, damit diese
unangenehmen Stoffe sich im Vorlauf sammeln. Die Vorlaufmenge hängt
übrigens stark von der Maischequalität ab (zwischen 0,5 und 1,5
l); man muß den Vorlauf immer wieder optisch und nach dem Klarwerden
auch durch Verkosten kontrollieren. Ist das Destillat klar und ohne unangenehmen
Beigeschmack bzw. Geruch, wird auf Mittellauf umgestellt. Es gibt Brenner,
die den Vorlauf dem nächsten Brand wieder zugeben; dies ist aber nicht
zu empfehlen. Man sollte den Vorlauf gesondert sammeln und nur als Medizin
(etwa zum Einreiben) verwenden, aber keinesfalls trinken!
-
dem Mittellauf:
Er ist das eigentliche Destillat, das nach einer späteren
Aufbereitung getrunken werden kann. Man sollte den Mittellauf in einem
gesonderten Edelstahleimer auffangen, und zwar ohne viel Luftberührung.
Dazu ist sowohl die Vorlage als auch der Eimer abzudecken. Auch der Mittellauf
sollte langsam abgebrannt werden, um ein qualitativ hochwertiges und aromareiches
Destillat zu erhalten. Mit zunehmender Brennzeit sinkt der Alkoholgehalt
allmählich ab. Je nach Maischeart sollte man den Mittellauf bei 50
bis 45Vol.- % Alkohol beenden und den Nachlauf einleiten. Je nach Maischequalität
liegt der Alkoholgehalt des Mittellaufs zwischen 60 und 75 %.
-
dem Nachlauf:
Er wird je nach Rohstoffart ab 50 oder 45 Vol.-% eingeleitet und in einem
speziellen Gefäß gesammelt. Der Nachlauf enthält Fuselöle
und weitere unerwünschte Stoffe, die den Mittellauf verderben würden.
Deswegen muß der Nachlauf rechtzeitig eingeleitet werden; durch Verkosten
läßt sich feststellen, wann auf Nachlauf umgestellt werden muß.
Den Nachlauf sollte man nicht dem nächsten Brand zugeben, sondern
wegschütten. Eine qualitativ hochwertige Maische wird sicherlich nicht
besser, wenn man ihr vor dem Abbrennen Vor- oder Nachlauf beigibt!
5. Die Reinigung
der Brenngeräte: Es versteht sich eigentlich von selbst, daß
nach dem Brennen die Brennblase, die Verstärkerkolonne, das Geistrohr,
der Kühler und die benützten Gefäße gut gespült
und gereinigt werden.
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update: 17.07.2018 |
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