von Dr. Hans-Peter Konzan, Dipl.Geologe, Landesamt für Umweltschutz Saarbrücken
2. Schichtenbeschreibung und Lagerungsverhältnisse
In
diesem Abschnitt sollen bestimmte Ablagerungen der Trias einer näheren
Betrachtung unterzogen werden. Wie aus der Abb. 1 zu ersehen ist, wird die Trias
weiter untergliedert in Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper.
Der
Buntsandstein ist bei uns bis auf den höchsten Teil nahezu fossilleer, was
nicht bedeutet, dass zu allen Zeiten lebensfeindliche, wüstenhafte Verhältnisse
herrschten. Es fehlten vielmehr in diesem Ablagerungsmillieu die Möglichkeiten
zur Erhaltung von Lebensspuren.
Aus
diesem Grund erfolgte
schon früh
eine Untergliederung
in einen
unteren, mittleren und oberen Abschnitt mit Hilfe unterschiedlicher
Gesteinszusammensetzungen ("lithostratigraphisch" 10).
Eingangs
wurde bereits erwähnt, dass der untere Teil des Buntsandsteins im Saarland
nicht abgelagert wurde. Der Mittlere Buntsandstein = Vogesensandstein =
Hauptbuntsandstein erreicht in unserem Raum ca. 350 m Mächtigkeit. Im Pfälzer
Wald wird er in Trifelsschichten und Rehbergschichten (Unt. Hauptbuntsandstein)
sowie in die Karlstalschichten (Ob. Hauptbuntsandstein) unterteilt. Diese
Gliederung kann im östlichen Saarland bis in den Saarbrücker Raum übernommen
werden.
Die
Art und Zusammensetzung der vorliegenden Sandsteine lassen Rückschlüsse auf
ihre Entstehungsgeschichte zu. Danach wurde der Ablagerungsraum von
weitverzweigten Fluss-Systemen durchzogen, die wohl nur episodisch existierten
und den aus dem fernen Liefergebiet herangeführten sandig-kiesigen Schutt großflächig
ablagerten. Die mehr oder weniger geröllführenden festen Sandsteinlagen in den
sog. "Felszonen" sind sicher auf diese Art fluviatil abgelagert
worden.
Die
mittel- bis grobkörnigen
Sandsteine außerhalb
der Felszonen
sind meist
dünnbankig (cm-dm) und mürbe, jene innerhalb der Felszonen sind in der
Regel durch kieseliges Bindemittel in den Zwischenräumen der Quarzkörner sehr
fest und häufig massig (dm-m-Bankung). Eben-, Schräg- und Kreuzschichtung 11)
wechseln sich häufig ab.
Vor
allem Quarz und Quarzit sind entweder eingestreut als Einzelgerölle,
angereichert in Geröllnestern und –lagen oder liegen dicht gepackt in den
Konglomeraten.
Bei
zeitweilig ariden Klimabedingungen versiegten die Flüsse und bei fortdauernder
Absenkung bildeten sich abflusslose Becken. Diese wurden nachfolgend überwiegend
mit äolischen Flug- bzw. Treibsanden verfüllt oder unter Wasserbedeckung mit
limnisch-fluviatilen Stillwasserbildungen zugeschwemmt. Es handelt sich dabei um
die weicheren veränderlich festen Wechsellagerungen von Ton- , Silt- und
Sandlagen (Abb. 3), die nachfolgend auch als sog. "Dünnschichten"
bezeichnet werden.
Sie
besitzen kaum eine Bankung, wohl aber eine dünne Ebenschichtung, die
weitreichend sein kann. Es sind Gesteine mit einer meist hohen Lagerungsdichte
ohne größere Festigkeit, was im Mangel eines entsprechenden Bindemittels begründet
ist. Vorherrschend ist eine feine bis mittlere Körnung zu beobachten.
Auf
dem langen Weg zu uns wurden die Abtragungsprodukte mehrfach umgelagert und
zerkleinert. Die leicht verwitterbaren Mineralien (z.B. Glimmer u. Feldspat)
wurden dabei weitgehend zerstört, so dass nur die stabilsten Bestandteile zur
endgültigen Ablagerung kamen, in diesem Fall vor allem der Quarz. Der Geologe
spricht von "reifen" Sedimenten.
Die
Gesteinsfarben variieren zwischen dunkel- bis ziegelrot, orange, braun, grau,
gelb und weiß. Die primären roten Farbtöne werden durch dünne Eisenoxidhäutchen
(Hämatit), die die Sandkörner umhüllen bzw. durch eisenschüssiges
Bindemittel, verursacht. Wird dieser Eisenanteil herausgelöst und sekundär in
vielfältiger Form als Brauneisenstein (sog. "Eisenschwarten") wieder
abgelagert, geht dies mit einer Bleichung der Sand- und Siltsteine einher.
Innerhalb
der mm-Schichtung der Dünnschichten sind die gröberen bis mittelkörnigen
Sandlagen oft heller gefärbt als die feineren Siltlagen, so dass sich ein ständiger
Wechsel von hellgelb zu rot beobachten lässt.
Der
Unt. Hauptbuntsandstein mit den Trifels- und Rehbergschichten ist an Tage
zwischen Rohrbach – St. Ingbert – Rentrisch und Dudweiler nördlich der A 6
großflächig aufgeschlossen. In unserem Bereich liegen diese insgesamt etwa 200
– 250 m mächtigen Schichten unter Talniveau.
Die
Trifelsschichten beginnen an der Basis mit lockeren bis festen
Konglomeraten, denen geröllführende Sandsteine bzw. Sandlagen
zwischengeschaltet sind. Darüber folgen mittel- bis grobkörnige, ebenfalls geröllführende
und häufig massige Sandsteine, die durch eisenschüssiges und kieseliges
Bindemittel mehr oder weniger stark verfestigt sind. Die härteren Bänke neigen
zur Felsbildung. Eisen- und Manganoxid kann in Lagen und Butzen angereichert
sein. Letztere wittern leicht heraus und geben den Gesteinen ein löcheriges,
zerfressenes Aussehen. Es handelt sich um Pseudomorphosen 12)
nach Kalkspat. Rote und grüne Tonlagen (mm – dm), eingestreute Tonfetzen und
dünne Tonhäute auf Schichtflächen sind häufig. Ebengeschichtete Lagen sind
selten, meist sind die Sandsteine schräg- und kreuzgeschichtet.
Die
Rehbergschichten darüber bestehen aus einer Wechselfolge schwach geröllführender
Felsbänke und oft mürber Dünnschichten. Die härteren verkieselten Bänke im
unteren Teil (Tischfelsregion der Pfalz) sowie im mittleren und oberen Bereich
(Rehberg-Felszonen) besitzen die petrographischen 13)
Merkmale der Trifelsschichten. Da auch die Dünnschichten mittel- bis grobkörnig
sind, wird dieser Schichtenverband häufig mit den Triefelsschichten
zusammengefasst. Die Sandsteine sind wechselnd eben-, schräg- und
kreuzgeschichtet. Wo keine Bleichung erfolgte, sind sie intensiv rot gefärbt.
Die
erwähnten Manganflecken nehmen nach oben ab.
Die
Karlstalschichten (Ob. Hauptbuntsandstein) können mit Hilfe der sog.
"Karlstal-Felszone" dreigeteilt werden. In den Unteren (60-70 m) und
Oberen Karlstalschichten (15-30 m) herrschen dünn bis dünnst- und
ebengeschichtete Sandsteine vor. Die fein- bis mittelkörnigen Gesteine sind in
der Regel mürbe und bilden die meist flachen unteren Hänge des Eicherts-,
Singelts- , Ob. Würzbach– und Ob. Grumbachtales. Die Ortschaften Sengscheid
und Reichenbrunn liegen ebenfalls in diesem stratigraphischen Bereich.
Die
Gesteinsfarben sind lichtrot mit heller Bänderung. Schrägschichtung ist in
diesem Profilteil selten zu beobachten und auf gering mächtige Lagen beschränkt.
Die
15-30 m mächtige Karlstal-Felszone (Kfz) darüber besteht überwiegend aus
mittel- bis grobkörnigen, geröllführenden, kieselig gebundenen Sandsteinen.
Eingeschaltet sind dünnschichtige Sandsteinpakete vom Typ der Unt. u. Ob.
Karlstalschichten. Horizonte mit kugeligen, sandigen Einschlüssen (sog. "Kugelfels"-Bänke)
können auftreten. Es handelt sich um ehem. karbonatisches Material, das später
herausgelöst wurde.
Die
so entstandenen Hohlräume sind später wieder mit Sandmaterial verfüllt
worden.
Die
Kfz verursacht durch ihre Festigkeit häufig eine Versteilung des Geländes. In
vielen Bereichen des Saarlandes und der Pfalz tritt sie als markanter
Felsbildner in Erscheinung (z. B. Kirkeler Felsenpfad). Der Stiefeler Fels
zeigt, dass es durch den Wechsel vom weichen pfeilerbildenden Dünnschichten und
Deckplatten bildenden Felsbänken auch hier zur Tischfelsbildung kommen kann.
Die
Kfz bildet in den oben genannten Tälern die steileren mittleren Hänge (z.B.
Kulturdenkmal Hänsel und Gretel) bzw. die unteren Talflanken und Talböden des
Ob Wogbachtales (z. B. Liebfrauenbrunnen, Felsen am Staatsweiher).
Die
ca. 30 m mächtigen Oberen Karlstalschichten setzen sich wieder überwiegend aus
Dünnschichten zusammen. Allerdings sind härtere und etwas gröbere Sandsteinbänke
ohne Geröllführung öfter als in den Unteren. Karlstalschichten
zwischengeschaltet.
Das
in der Pfalz und auch im östl. Saarland weitverbreitete sog.
"Hauptkonglomerat" am Top des Mittleren Buntsandsteins wurde in
unserem Bereich nicht abgelagert.
Als
Grenze zum Oberen Buntsandstein gilt die sog. "Violette Grenzzone"
(VG1). Sie wird
als chemisch-pedologisch (griech. pedon = Boden) überprägte alte Landoberfläche
des Mittleren Buntsandsteins gedeutet, die unter einem bestimmten Klima in einer
Zeit der Sedimentationsruhe entstand. Sie entspricht dem Relikt eines fossilen
Bodens. Die VG1 entwickelt sich allmählich aus den liegenden Sandsteinen, in
dem die Schichtung verloren geht und durch eine Art "Krümelstruktur"
ersetzt wird. Die Farbe der sandig-tonigen Sedimente ist rötlich-violett, bläulich,
grünlich, grau und gelb. Dolomit ist als Bindemittel der Sandkörner und in
Form von Knauern und Bänken enthalten (Aufschlüsse im Ziegelhütter Loch, im
Tal östlich des Waldhauses u. östlich der "Spinne", jeweils in ca.
300 m Höhe). Wo die Karbonate herausgewittert sind, bleiben Eisen- und
Manganhydroxide als braunschwarzer Mulm zurück. Die Karbonatanteile können
auch durch Kieselsäure in Form von Karneol (mikrokristalline Varietät des
Quarzes) ersetzt worden sein.
Durch
eine Verdichtung des Gesteinsverbandes aufgrund der Bodenbildung wirkt die VG 1
wasserstauend. Nahezu immer sind in ihrem Bereich Vernässungszonen zu
beobachten. Zudem bildet sich in diesem Niveau wegen der leichteren
Verwitterbarkeit im Hang immer eine morphologische Hohlkehle.
Seit
der Mitte des vorigen Jahrhunderts wird der Obere Buntsandstein in die basalen Zwischenschichten
(so1) und den darüber liegenden Voltzien - Sandstein (so2), dessen
Name sich von der Konifere Voltzia heterophylla ableitet und deren fossile Reste
häufig in bestimmten Horizonten dieser Gesteinsserie gefunden werden,
untergliedert.
Die
Zwischenschichten sind so benannt worden, weil sie petrographische Merkmale
sowohl des Mittleren Buntsandsteins wie auch des Voltzien-Sandsteins vereinigen.
Der
so1 beginnt sehr häufig mit einer mächtigen sog. gelb-braun-fleckigen
"Dolomit-Bröckelbank". Weitere solcher Bröckelbänke können im so1
wiederholt auftreten, sowohl über höherliegenden violetten Horizonten als auch
separat.
Ton-
und Dolomitbruchstücke, eckig und abgerundet, liegen in einer sandigen
Zwischenmasse eingebettet, deren Bindemittel karbonatisch ist. Eisen- und
Manganoxid-Mulm ist häufig zu beobachten. Das Material der "Bröckel"
entstammt aufgearbeiteten Karbonatkrusten im Liegenden, das nach kurzem
Transport oder an Ort und Stelle neu abgelagert wurde. An Stellen, wo die VG1
(verm. durch Erosion) nicht vorhanden ist, kann auch die basale Bröckelbank
fehlen. Aufarbeitungsreste finden sich in diesen Fällen fast immer in den nächst
höheren Schichten.
Im
unteren Teil sind die Zwischenschichten grobklastisch ausgebildet und unruhige
Sedimentationsbilder herrschen vor, doch fehlen keinesfalls geröllfreie und
feinkörnige Sandsteine. Letztere gehen rasch seitlich und vertikal in gröbere,
geröllführende Sandsteine oder Konglomeratbänke über. Die Bankung wechselt
schnell, kurze Schräg- und Kreuzschichtungskörper sind häufig. In mitten
grobkörniger Bänke treten des Öfteren feinkörnige Lagen auf. Diese
heterogene Zusammensetzung des so1 ist das Ergebnis sich ständig ändernder
Ablagerungsbedingungen. Rege Sedimentation, Ruhephasen und
Sedimentationsunterbrechungen wechseln einander ständig ab.
Durch
starke Glimmerführung (vorwiegend Hellglimmer auf Schichtflächen angereichert
oder regellos verteilt), wechselnden Karbonatgehalt, höhere Tonanteile, den
Gehalt an frischen bzw. wenig verwitterten Feldspäten, die Einlagerung der oben
angeführten Bröckelbänke und durch die charakteristische Farbe heben sich die
Zwischenschichten deutlich von dem liegenden Mittl. Buntsandstein ab.
Häufig
enthalten die Sandsteine des so1 hellgelbliche dolomitische Konkretionen. Diese
Karbonatanteile sind oft herausgelöst und die verbliebenen Hohlräume mit
Fe-Mn-Mulm gefüllt. In übertägigen Aufschlüssen sind die Zwischenschichten
daher meist kavernös.
Weitere
violette Horizonte neben der VG1 und zahlreiche Dolomitbröckelbänke können
eingeschaltet sein. Vor allem ein violetter Horizont ca. 10 bis 15 m über der
VG1 mit verkieselten Karbonatknollen (z.B. oberer Weg im Ziegelhütter Loch in
315 m Höhe) ist hier zu nennen, der nicht mit der VG1 verwechselt werden
sollte. Im Gegensatz zur VG1 enthalten alle anderen violetten Horizonte nie
Karneol.
Der
obere Teil der Zwischenschichten ist geröllfrei. Die feinkörnigen Sandsteine
mit tonigem Bindemittel und Siltsteine sind häufig dickbankig und nähern sich
in ihrer Ausbildung und Festigkeit dem Voltziensandstein.
Der
Voltziensandstein (so2) wird heute in die "Werksteinzone" (6-8 m) und
die hangende, den Oberen Buntsandstein abschließende, "Lettenregion"
(2-6 m) unterteilt.
Die
Werksteinzone baut sich aus dickbankigen, tonigen, glimmerhaltigen
Feinsandsteinen von rotbrauner, hellvioletter und graugrüner Farbe auf. Nur
vereinzelt schalten sich im unteren Teil Tonlagen und -linsen ein. Die Gesteine
wirken im Verband klotzig. Nach oben werden die Sandsteine dünnbankiger. Der Übergang
zur Lettenregion ist fließend, in dem sich immer häufiger rote und grüne
Ton-Siltsteine zwischenschalten, die im oberen Teil der Lettenregion eindeutig
dominieren.
Versteinerungen
u.a. von Muscheln, die im Brackwasser lebten, bezeugen ein Herannahen des
Muschelkalkmeeres. Der Ablagerungsraum entwickelt sich von einem Flussdelta zur
Zeit des Werksteins zu einem breiten, flachen Strandbereich bzw. Wattenmeer in
der Lettenregion.
Die
festen Sandsteine der Werksteinzone eignen sich vorzüglich als Bau- und
Skulptursteine und wurden früher in zahlreichen, z.T. noch zugänglichen Brüchen
(u.a. Wittemann-Steinbruch) abgebaut.
Im
Bereich der Lettenregion häufen sich Vernässungszonen und Quellen.
Der
Obere Buntsandstein mit einer Gesamtmächtigkeit von 30 bis 75 Metern im
Bezugsgebiet baut nordöstlich des eingangs erwähnten Bischmisheimer Grabens
bis auf kleine Erosionsreste oberhalb der Spinne und größere Areale entlang
der L 108 am Staffelberg und Staffel-Köpfchen von Unterem Muschelkalk die
oberen Hänge und Bergkuppen auf. Im Graben selbst zwischen Bischmisheim, der
Thalmühle und dem Waldhaus erreicht der Obere Buntsandstein Talniveau.
Die
mittlere Abteilung der Trias wird in den Unteren, Mittleren und Oberen
Muschelkalk untergliedert. Die Schichten unterscheiden sich vom Buntsandstein
u.a. durch die Einschaltung zahlreicher Karbonatstein-Bänke (Dolomit und Kalk),
durch eine große Anzahl an Versteinerungen und durch überwiegend graue Farben.
Eine
enorme Menge von Fossilien mit großer flächenmäßiger Verbreitung (Muscheln,
Brachiopoden 14) , Seelilien u.a.),
deren Lebensraum das flache Wasser ist, des Weiteren der hohe Anteil von
Dolomitgestein (Ca-Mg-Karbonat), die für ihre Bildung hohe
Magnesiumkonzentrationen im Meerwasser benötigen und der z.T. große Sandgehalt
in den überwiegend karbonatischen Gesteinen deuten auf ein kontinentales
Binnenmeer hin.
In
den Randbereichen kam es zur Verzahnung mit dem Festland. Geringe Niederschläge
bei hoher Verdunstung und eine verzögerte Frischwasserzufuhr aus dem offenen
Meer des Germanischen Beckens führten zu diesen erhöhten Salzkonzentrationen.
Während
diese Verhältnisse im westlichen Saarland und in Luxemburg in der gesamten
Muschelkalkzeit andauerten, deuten die zahlreichen Einlagerungen von reinen
Kalkbänken bei uns im Bliesgau auf Bildungsbedingungen in etwas tieferem Wasser
hin. Aus diesem Grund kann der Untere Muschelkalk in der Saargemünd-Zweibrücker-Mulde
detaillierter untergliedert werden, als das z. B. im Merziger Becken oder im
Saargau möglich ist.
Von
den Gesteinen des Muschelkalkes sieht man heute an der Erdoberfläche in unserem
Raum meist nicht viel. Der Grund hierfür ist die Überlagerung mit
Deckschichten verschiedener Art und Entstehung (Hangschutt, Verwitterungslehm,
Flussterrassen etc.).
Der
ca. 50 m mächtige U n t e r
e M u s c h e l k a l k
wird zunächst zweigeteilt in einen Unteren (mu1) und einen Oberen (mu2)
Bereich. Die unterschiedliche Gesteinszusammensetzung und einige markante
fossilführende Horizonte erlauben u.a. im Bliesgau eine weitere Untergliederung
des mu1 vom Liegenden zum Hangenden in Trochiten-Zone, Mergelige Schichten,
Terebratelzone, Wellenmergel und Untere Dünnschichtige Dolomite. Zum mu2 gehören
Schaumkalkregion und die Orbicularisschichten.
Die
T r o c h i t e n 15)-
Z o n e (5-6 m) besteht aus einer Wechselfolge von bräunlichen, meist
dolomitischen Sandsteinen, gelblichen trochitenführenden Dolomiten und grau-
bis gelbgrünen Ton-Mergeleinschaltungen. Die oft klotzigen Sandsteine (bis über
50 cm mächtig) sind z. T. entkarbonatisiert und beinhalten mitunter massenhaft
Muschelsteinkerne 16).
Ein
regelloser horizontaler Wechsel in der Gesteinsbeschaffenheit spricht für
Ablagerungen eines strandnahen Gezeitenmeeres.
In
den M e r g e l i g e n
S c h i c h t e n (13-16 m) häufen sich plattige grün-, gelb- und braungraue
dolomitische Mergelsteine, die zu einem schweren lettigen Boden verwittern.
Zwischengelagert sind einige dünne, sandige Dolomitbänke.
Graue
dolomitische Mergelsteine trifft man auch in der darüber folgenden T e r e b r
a t e l z o n e (7 m) an. Sie werden eingerahmt durch die basale sog. "Hauptterebratelbank"
(bis 1 m), bestehend aus körnig- kristallinem knolligem, grauem Dolomitstein
sowie am Top der Serie durch die "Zone der Oberen Terebratelbänke"
(ca. 1,5 m). In ihr wechsellagern dünne dolomitische Mergelsteine mit homogenen
braungrauen Dolomitsteinen. Wegen der größeren Härte der Dolomite bildet
diese Gesteinsfolge eine kleine Geländestufe. Neben der namensgebenden
Terebratula vulgaris (rezente muschelähnliche Zweischaler aus der Ordnung der
Armfüßer, sind mit einem Stiel am Boden verankert) findet man in den
Karbonatsteinbänken häufig Trochiten, Muscheln, Schnecken, Fischschuppen und
Knochenreste.
In
den W e l l e n m e r g e l n
(5-8 m) dominieren wieder graue und graugrüne Mergelsteine, die nach
oben durch einen höheren Karbonatgehalt fester werden und zu den Unteren Dünnschichtigen
Dolomiten überleiten. Sie zerfallen leicht scherbig-plattig.
Die
U n t e r e n D ü n n s c h i c h t i g e n
D o l o m i t e (6 m) als
abschließendes Schichtpaket des mu1 setzen sich aus dünnplattigen, grauen,
mergeligen Dolomiten zusammen. Eine engscharige Klüftung verursacht einen
stegeligen Bruch. Auf den Schichtflächen kann man häufig ein richtungsbeständiges
(hier Ost-West) Linearsystem, die sog. Wellenstreifung erkennen. Man vermutet,
dass diese Textur zusammenhängt mit einer Schrumpfung der noch weichen
Karbonatschlämme infolge Entwässerung auf einem nach Osten geneigten Boden des
Ablagerungsbeckens. Sie hat nichts mit den Wellenrippeln im Trochitenkalk zu
tun.
Der
mu2 mit der Schaumkalkregion (Unt. Schaumkalkbank, Obere Dünnschichtige
Dolomite, Obere Schaumkalk-Zone) und den Orbicularis-Schichten (insgesamt 11-12
m) bildet erneut eine deutliche Hangstufe. Obwohl es sich bei uns um
Dolomitgestein handelt, wird die Bezeichnung "Kalk" benutzt. Man will
damit die zeitliche Übereinstimmung mit den echten Schaumkalken Thüringens und
Südwestdeutschlands zum Ausdruck bringen. Diese besitzen dort aufgrund von
Karbonatauslaugungen ein poröses Aussehen.
Bei
der U n t e r e n S c h a u m k a l k b a n k
handelt es sich um einen kristallinen, blaugrauen, bei Verwitterung
braungrau gefärbten Dolomit (1,5 bis
3,0 m). Zu erkennen im Gestein sind häufig Hohlraumquerschnitte von Muscheln (Pecten)
und Trochiten.
Die
2,2 bis 2,0 m mächtigen O b e r e n
D ü n n s c h i c h t i g e n D o l o m i t e gleichen in allem den
Unteren dünnschichtigen Dolomiten. Die Obere Schaumkalk-Zone (ca. 4,5 m)
besteht im unteren Teil aus dünn- bis mittelbankigem, grauem und braunem, körnig-kristallinem
Dolomit. Zwischengelagert sind sandige, glimmerführende Mergelsteine. Zuoberst
liegt eine etwa 60 cm mächtige, grobkristalline und bei der Verwitterung zu
einem braunen Dolomitsand zerfallende Dolomitbank.
Die
den Unteren Muschelkalk nach oben abschließenden O r b i c u l a r i s s c h i
c h t e n (3 bis 4 m) setzen sich zusammen aus plattigen, hellgrauen, weißlichen,
hellgelb verwitternden, dichten, mergeligen Dolomiten. Etwa in der Mitte liegt
die ca. 0,5 m mächtige sog. "Knochenbank". Es handelt sich um einen
oolithischen Dolomit 17), in dem
Wirbeltierreste und in wechselnder Menge die namensgebende Muschel myophoria
orbicularis gefunden werden.
In
unserem Raum endet hiermit bis auf pleistozäne Bildungen (z.B. Hangschutt- und
Solifluktionsmassen, Lehm und Bodenbildungen) sowie die jüngeren holozänen
Talaueablagerungen der Quartärzeit die geologische Überlieferung. Die jüngeren
Ablagerungen der Trias fielen der Abtragung zum Opfer und sind erst weiter südlich
an Tage zu beobachten (z. B. Wickers-Berg)
Es
wurde bereits angesprochen, dass die Schichten der Trias um 1º bis 3º in südliche
Richtungen zum Zentrum der Saargemünd-Zweibrücker-Mulde einfallen. Zudem wurde
der Gesteinsverband, vor allem im Tertiär, im Zuge der alpidischen
Gebirgsbildung auch bruchtektonisch verformt. Alt angelegte Störungen 18)
(meist Abschiebungen) lebten in dieser Zeit wieder auf und zerlegten die
Trias-Tafel in ein Mosaik von Kleinschollen. Nur wenige der Verwerfungen sind im
Gelände kartistisch zu erfassen, da die Verwurfbeträge meist unter 10 Meter
liegen. In unserem Fall handelt es sich im nördlichen Teilgebiet um südwest-nordost
verlaufende Störungen, die nach Südosten abschieben. Zusammen mit den
schwachen Schichteneinfallen in diese Richtung hat das zur Folge, dass alle
Schichtgrenzen etwa vom Steinkopf bis zum Rand des Bischmisheimer Grabens um ca.
45 Meter abfallen. Im Graben selbst sind sie nochmal um ca. 60 Meter in die
Tiefe verfrachtet worden. Diese tektonischen Vorgänge hatten zur Folge,
dass vor allem die harten Felszonen intensiv zerklüftet wurden.
An
dieser Stelle endet unsere Wanderung durch ca. 400 Mio. Jahre geologische
Vergangenheit.
Das
heutige Bild unserer Landschaft ist jedoch nicht endgültig, sondern die weitere
Umgestaltung nimmt unaufhörlich ihren Weg und wir sollten uns immer darüber
bewusst sein, dass die Menschheit von dieser erdgeschichtlichen Entwicklung nur
einen kleinen Moment erlebt.
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